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Erkunde die Geschichte von Migration, Staatsbürgerschaft und Zugehörigkeit in Deutschland und den USA über die Jahrhunderte.

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1904
-
1908
Widerstand und Genozid in Namibia

Im Januar 1904 beginnt ein Aufstand der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) gegen die Enteignung, Ausbeutung und Misshandlung durch deutsche Siedler*innen. Samuel Maharero gibt den Befehl, dem rund 8000 Herero folgen.

Seit 1884 ist Namibia deutsche Kolonie. Rund 12.000 weiße deutsche Siedler*innen besiedeln das Gebiet bis 1914 durch Vertreibung der Einheimischen. Die einheimische Bevölkerung wird systematisch ausgebeutet, diskriminiert und entrechtet. Viele verlieren ihr Land und zahlen hohe Steuern, was vor allem die vom Weideland abhängigen Herero betrifft. Im Januar 1904 beginnt der Aufstand der Herero in Osona. Rund 8000 Herero belagern Militärstationen, blockieren Bahnstrecken und überfallen Handelsniederlassungen. Der Aufstand überrascht die deutschen Kolonialist*innen, deren Truppen zunächst unterlegen sind. Im Mai 1904 werden deutsche Truppen unter Lothar von Trotha aufgestockt, um einen Vernichtungskrieg zu führen. Im August 1904 werden die Herero von deutschen Truppen in die Omaheke-Wüste getrieben, wo die meisten verhungern oder verdursten. Hendrik Witbooi ruft einen Aufstand der Nama aus, der bis 1908 andauert und gewaltsam unterdrückt wird. Hunderte Herero und Nama werden aus Vergeltung erschossen. Konzentrationslager werden errichtet, in denen die Überlebenden Zwangsarbeit leisten müssen. Mindestens die Hälfte der Internierten stirbt. Von den geschätzten 80.000 Herero im Jahr 1904 überleben bis 1911 nur etwa 15.000, von den 20.000 Nama ungefähr die Hälfte. Der Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika (heutiges Tansania) von 1905-1907 fordert rund 300.000 Opfer. Obwohl viele Historiker*innen den Vernichtungskrieg als Genozid einstufen, erkennt die Bundesregierung dies nicht an und lehnt Entschädigungszahlungen ab. Für rassistische Forschung werden Gebeine von Herero und Nama nach Deutschland gebracht, teils vor dem Völkermord. 2011 übergibt die Charité 20 Schädel einer namibischen Delegation, 2014 folgt eine weitere Übergabe. Die Nachfahren der Opfer fordern die Anerkennung als Völkermord, Schuldeingeständnis und Rückgabe der Gebeine, von denen etwa 3000 in deutschen Institutionen vermutet werden.
Filmgruppe E
Deutsch-Südwas? – Erinnerung an einen deutschen Völkermord.
Der Film “Deutsch-Südwas? – Erinnerung an einen deutschen Völkermord” der Filmgruppe E streift durch vergangene koloniale Realitäten und deren Kontinuitäten in der Gegenwart. Er versucht, die Konturen deutscher Herrschaft in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika nachzuzeichnen und gibt Einblicke in heutige Kämpfe Schwarzer Menschen um Gehör, um Anerkennung und um einen dekolonialen Perspektivwechsel innerhalb der weißen, deutschen Mehrheitsgesellschaft.
Germany
Sources
  1. Bernd Längin, Michael Schindler. Die deutschen Kolonien: Schauplätze und Schicksale 1884-1918. Mittler E.S. + Sohn GmbH., 2004. 978-3813208214.
  2. Winfred Speitkamp. Deutsche Kolonialgeschichte. Stuttgart: Reclam Verlag, 2005. 
  3. Horst Gründer. Geschichte der deutschen Kolonien. Paderborn: UTB GmbH, 2012. 
  4. Januar 1904: Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika.  Bundeszentrale für politische Bildung.  January 10, 2014. 
  5. Marc Röhlig. Koloniales Erbe in Namibia: Charité gibt Herero-Gebeine zurück.  Der Tagesspiegel.  March 5, 2014.
  6. Joachim Zeller. Die Restitution der Herero- und Nama-Schädel von Deutschland nach Namibia – Eine Bildergalerie.  Freiburg Postkolonial. 2011.
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