Zwischen 1910 und 1970 zogen über sechs Millionen Afroamerikaner*innen aus den Südstaaten in die städtischen Zentren des gesamten Nordostens, mittleren Westens und Westens der USA.
Diese Massenumsiedlung, die als „Great Migration“ in mehreren Wellen bekannt ist, war zwischen 1910 und 1930 durch die Flucht vor dem feindseligen, rassistischen Pro-Sklaverei-Klima des Südens sowie die Verlockung von Industriearbeitsstellen im Norden nach der Zerstörung der Baumwollernte im Süden motiviert. Eine zweite Welle zwischen 1940 und 1970 wurde durch die sich verschlechternde Bürgerrechtssituation im Süden und die besseren Arbeitsmöglichkeiten im Norden hervorgerufen.
Die Große Migration hatte unvorhergegangene demographische Veränderungen im ganzen Land zur Folge. Die afroamerikanische Bevölkerung im Norden wuchs um rund 20% und ballte sich in städtischen Zentren wie Detroit, New York und Cleveland. Diese demographische Verschiebung beeinflusste die politischen und kulturellen Landschaften einiger der größten Städte des Landes und führte zu kulturellen Bewegungen wie der Harlem Renaissance in New York City.
Dem Umzug Schwarzer Amerikaner*innen in die Städte des Nordens wurde häufig mit „red lining“ begegnet, einer rassistischen Praxis der geographischen Segregation und diskriminierenden Stadtpolitiken. Eine andere ‚Reaktion‘ wird „white flight“ genannt und bezeichnet den Umzug vieler weißer Amerikaner*innen, die Mitte des 20. Jahrhunderts aus diverseren städtischen Zentren in weiße Vorort-Enklaven abwanderten. Die Entstehung von Vororten sowie von Ghettos sind erkennbare Produkte der rassistischen Segregation von Städten in der Geschichte der USA.
No. 12. The railroad stations were at times so crowded with people leaving that special guards had to be called to keep order.
Das oben abgebildete Gemälde ist eines von 60 aus der „The Migration Series“ von Jacob Lawrence. Lawrence war ein amerikanischer Maler, der vor allem für seine „The Migration Series“ und seine Gemälde des afroamerikanischen Lebens bekannt ist. In den Jahren 1940 bis 1941 stellte er die damals als „Migration of the Negro or And the Migrants Kept Coming“ bekannte Serie von 60 Gemälden fertig. Die Serie machte ihn zum ersten afroamerikanischen Künstler, der von einer New Yorker Galerie vertreten wurde, und seine Werke inspirieren auch heute noch junge schwarze Künstler*innen und deren Bestrebungen.