Zeitleisten der Migration, Rechte und Zugehörigkeit

Migration ist eine globale Realität und seit jeher Teil der Menschheitsgeschichte. Dennoch gehört sie bis heute zu den am stärksten umkämpften öffentlichen Themen. 

Sowohl Menschen als auch Grenzen sind ständig in Bewegung. Wer sich bewegen darf und wem Rechte zugesprochen werden, zeigt, wer als Teil der Nation angesehen wird. In Deutschland wie in den Vereinigten Staaten sind diese Debatten — und die damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Praktiken — eng mit sich wandelnden Vorstellungen von „Rasse“, Kultur und Sprache verbunden. 

Diese Zeitleisten zeigen, wie Rechte und Zugehörigkeit durch Gesetze, migrantische Bewegungen und Kämpfe, globale Ereignisse und kulturelle Werke ausgehandelt, infrage gestellt und neu definiert wurden — und wie diese Geschichten bis heute nachwirken. 

Deutschland

Deutschland

Erkundet zentrale Ereignisse der letzten 140 Jahre, die in öffentlichen Debatten häufig fehlen – vom deutschen Kolonialismus über die Bürgerrechtsbewegung von Sinti*zze und Rom*nja bis hin zu den Kämpfen von Arbeitsmigrant*innen. Findet heraus, wie sich Menschen gemeinsam für ihre Rechte organisiert haben.
USA

USA

Erkundet, wie die Vereinigten Staaten in den letzten 500 Jahren Zugehörigkeit definiert haben – von kolonialer Besiedlung, der Verdrängung indigener Bevölkerungen und der Sklaverei über Einwanderungsgesetze und Bürgerrechtskämpfe bis hin zu gegenwärtigen Debatten.

Inhalte und Auswahl der Einträge

Jeder Eintrag enthält:

  • Datum oder Zeitraum
  • Kurzbeschreibung des Ereignisses (200–500 Wörter)
  • Wissenschaftliche Quellen und weitere Ressourcen zur Vertiefung
  • Ergänzende Bilder und Videos
  • Verwandte Ereignisse und Beiträge aus unserem Archiv
  • Thematische Einordnung

Berücksichtigt wurden:

  • politische und rechtliche Entwicklungen;
  • soziale Bewegungen und Kämpfe um Rechte;
  • internationale Ereignisse mit Bezug zu Migration;
  • mediale Repräsentationen und öffentliche Debatten;
  • Erfahrungen aus unserer Story Collection.

Für die deutsche Zeitleiste werden zudem Perspektiven einbezogen, die in der Erinnerungskultur häufig fehlen, darunter Kolonialismus, Schwarze Geschichte, die Geschichte von Sinti*zze und Rom*nja, Migration in der DDR sowie Kämpfe gegen unterschiedliche Rassismen und Antisemitismus.

Ein Einblick in die Zeitleisten

Wie die Zeitleisten entstanden sind
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Wie die Zeitleisten entstanden sind

Die Idee für die US-amerikanische und die deutsche Zeitleiste entstand aus unserem gemeinsamen Anliegen, Geschichten sichtbar zu machen, die in nationalen Erinnerungskulturen häufig fehlen oder marginalisiert werden. Beide Zeitleisten beschäftigen sich mit der Frage, wie Migration, Kämpfe um Rechte, demokratische Teilhabe und Zugehörigkeit erzählt und erinnert werden – und welche Perspektiven dabei häufig übersehen oder ausgeblendet werden. Von Anfang an standen dabei der Austausch zwischen unseren beiden Zeitleisten und gemeinsame methodische Grundprinzipien im Mittelpunkt. Gleichzeitig unterscheiden sich ihre Entstehungsgeschichten, da sie aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Kontexten heraus entwickelt wurden.

Für die US-amerikanische Zeitleiste konnten wir auf eine Vielzahl bereits bestehender Forschungen, Community-Archive und historischer Zeitleisten zu Migration, Bürgerrechtsbewegungen, indigener Geschichte und afroamerikanischer Geschichte zurückgreifen. Die Arbeit bestand vor allem darin, bestehende Materialien zusammenzuführen, auszuwählen und in neue Zusammenhänge einzuordnen. Dabei wurde der Entwicklungsprozess durch zahlreiche ehrenamtlich Engagierte unterstützt, die recherchierten, Texte entwickelten, Inhalte aufbereiteten und ihre unterschiedlichen historischen sowie community-basierten Perspektiven einbrachten.

Die Entwicklung der deutschen Zeitleiste war hingegen ein grundlegender Forschungs- und Entwicklungsprozess. Als wir 2012 begannen, daran zu arbeiten, existierte keine vergleichbare digitale Zeitleiste, die die Geschichte von Migration, Rechten und Zugehörigkeit in Deutschland communityübergreifend zusammenführte. Ausgangspunkt war daher eine mehrjährige Recherche, in der wir wissenschaftliche und aktivististische Literatur, historische Quellen und bestehende Archive ausgewertet haben, um zentrale Themen, Zusammenhänge und einen konzeptionellen Rahmen für die Zeitleiste zu entwickeln.

Von Beginn an war dieser Prozess partizipativ angelegt. Parallel zur Recherche haben wir Beziehungen zu zahlreichen migrantischen Selbstorganisationen, Initiativen, Wissenschaftler*innen und weiteren Expert*innen aufgebaut. Entwürfe der Zeitleiste wurden kontinuierlich geteilt, diskutiert und weiterentwickelt. Zahlreiche ehrenamtlich Mitwirkende unterstützten die Arbeit durch Recherche, Textarbeit und inhaltliche Beiträge. Ihr Wissen, ihre Perspektiven und ihre unterschiedlichen biografischen sowie fachlichen Zugänge waren entscheidend dafür, vielfältige Perspektiven einzubeziehen, Leerstellen zu erkennen und die Zeitleisten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Blickwinkeln heraus zu gestalten.

Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der deutschen Zeitleiste war ein Community-Feedback-Workshop, an dem Vertreter*innen migrantischer und community-basierter Organisationen sowie Wissenschaftler*innen und Multiplikator*innen teilnahmen – viele von ihnen selbst aus migrantischen Communities und mit eigenen Community-Bezügen. Gemeinsam diskutierten wir nicht nur die Auswahl der Ereignisse, sondern auch die Art und Weise ihrer Darstellung: Welche Perspektiven werden sichtbar gemacht? Welche fehlen? Wie können Zusammenhänge dargestellt werden, ohne Hierarchien zwischen Erfahrungen zu reproduzieren oder rassistische Deutungsmuster zu verstärken? Die Teilnehmenden identifizierten Leerstellen, hinterfragten bestehende Einordnungen und brachten zusätzliche Perspektiven und Bezüge ein. Die Ergebnisse dieses Prozesses wurden dokumentiert und flossen unmittelbar in die Weiterentwicklung der Zeitleiste ein. Der vollständige Bericht zum Community-Feedback-Workshop ist hier verfügbar.

Beide Zeitleisten verstehen wir nicht als fertige oder abgeschlossene Darstellungen, sondern als offene Erinnerungsräume und kollektive Wissensarchive, die durch neue Forschung, Rückmeldungen aus Communities und gesellschaftliche Debatten kontinuierlich weiterentwickelt werden. Sie sind zugleich Werkzeuge der politischen Bildung und des gesellschaftlichen Wandels: Sie machen marginalisierte Erfahrungen sichtbar, stellen dominante Erzählungen infrage und schaffen Räume, in denen unterschiedliche Communities ihre Geschichte, ihre Kämpfe um Rechte und ihre Perspektiven auf Demokratie und Zugehörigkeit einbringen können.

Rückmeldungen und Anregungen sind herzlich willkommen: info@withwingsandroots.com

Leitung Recherche, Konzeptentwicklung und Community-Beteiligung (Deutschland-Zeitleiste):
Olga Gerstenberger

Redakteur*innen:
Olga Gerstenberger, Christina Antonakos-Wallace, Serkan Demiral, Regina Knoll, Rachel Landry, Anna Baker und Lotti Schulz

Mitwirkende:    
Stefania Animento, Christine Boelian, Anthony Chase, Kadija Diallo, Emily Hackerson, Lydia Galonski, Danielle Goonan, Lara Jacobs, Henriette Jankow, Maral Jekta, Alyssa Jocson, Laura Lambert, Karen Maniraho, Aseem Mehta, Maria Rutschke, Anna Schmitt

Akademische und community Berater*innen:                            Dr. Iman Attia, Dr. Alexandra Delano, Dr. Kien Nghi Ha, Dr. Maria do Mar Castro Varela, Dr. Marina Kaneti, Dr. Emily Thuma, Dr. Isidora Randjelović (RomaniPhen Archiv) und Dr. Manuela Bauche.

Ariela Kachmer (NY Coalition of Radical Educators), Beate Klammt (Anne Frank Zentrum), Berivan İnci (Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin der Türkischen Union Berlin), Cigir Özyurt (Jugendtheaterbüro), David Lackey (Whirlwind Creative), Gülsah Stapel, Handan Kaymak, Jacob Langford, John Mukiibi (Antidiskriminierungsstelle Köln), Judith Rahner (Amadeu Antonio Stiftung), Julius Franklin, Kofi Ohene-Dokyi (Projekt JUMA), Nadine Golly (Leuphana Universität Lüneburg), Nursemin Sönmez, Nzitu Mawakha, Salma Rafiq-Haya (GLADT e.V.), Serdar Yazar, Seth Rader (James Baldwin School), Sharon Dodua Otoo, Tahir Della (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland – ISD) und Yasemin Shooman (DeZim).

Übersetzer*innen:
Regina Knoll, Manjiri Palicha, Forrest Holmes, Jennifer Theodor, Marc Holland-Cunz, Paula Fuehrer, Ilka Russy, Simran Sodhi, Lotti Schulz

Mitwirkende Förderer:
Die Checkpoint Charlie Stiftung, Humanity in Action und die EVZ Stiftung

Zum Gedenken an Serkan Demiral
Zum Gedenken an Serkan Demiral

Die Zeitleisten sind unserem geschätzten Freund und Kollegen Serkan Demiral gewidmet, der während seines langen Kampfes gegen den Krebs viel Zeit und Energie in die Arbeit von With Wings and Roots eingebracht hat. Unter anderem war er als Redakteur an der Entwicklung der deutschen Zeitleiste beteiligt. Mit seinem scharfen Verstand, seinem großen Herzen, seiner außergewöhnlichen Großzügigkeit und seinem wunderbaren Humor hat Serkan unser Team nachhaltig geprägt. Wir vermissen ihn sehr.

Nutzungsmöglichkeiten der Zeitleisten

Materialien

Ergänzende Unterrichtspläne, Aktivitäten und Diskussionsleitfäden bieten Anregungen für die Arbeit mit den Einträgen der Zeitleiste. Weitere Informationen und Materialien finden sich hier.

Workshops

Interaktive Workshops für Schulen, Hochschulen und gemeinnützige Organisationen ergänzen die Arbeit mit der Zeitleiste und ermöglichen eine vertiefende Auseinandersetzung mit ihren Themen. Weitere Informationen finden sich hier.

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