Close
Germany
1871
-
1918
Sinti*zze und Rom*nja im Kaiserreich

Die Verfolgung und Diskriminierung von Sinti*zze und Rom*nja in Deutschland beginnt im 15. Jahrhundert, wird aber ab der Gründung des Kaiserreichs systematisch organisiert.

Die Staatsangehörigkeit entscheidet, wie sie von den Behörden behandelt werden. Ab dem 19. Jahrhundert kommen viele Rom*nja nach Deutschland, was zu strengen Kontrollen und Abschiebungen führt. Sinti*zze mit deutscher Staatsangehörigkeit sind zwar nicht von Abschiebungen betroffen, müssen aber strenge Auflagen erfüllen, um Gewerbescheine zu bekommen. Es gibt einen Widerspruch: Einerseits dürfen sie sich nicht lange an einem Ort aufhalten, andererseits wird ihnen Nomadentum vorgeworfen. Auch bei der Arbeit gibt es Widersprüche: Sie dürfen nicht in Zünften arbeiten, aber man wirft ihnen vor, nicht zu arbeiten. Viele verdienen ihr Geld mit Musizieren, Schaustellerei oder Wahrsagerei. Mit dem Aufkommen rassistischer Ideen wird die Verfolgung von Sinti*zze und Rom*nja stärker. Ab 1899 werden spezielle Dienste eingerichtet, um sie zu erfassen und sie müssen Ausweise tragen. In der Weimarer Republik werden die Gesetze noch strenger. Diese Überwachung wird später von den Nationalsozialisten genutzt, um Sinti*zze und Rom*nja in Konzentrationslagern zu verfolgen und zu ermorden.
Bild aus dem Dossier "Sinti & Roma" von der BpB Illustrator Nino Bulling
Bild aus dem Dossier "Sinti & Roma" von der BpB
Foto von einem Handabdruck, nummeriert und mit Namen versehen, aus dem Dossier "Sinti & Roma" von der BpB und illustriert von Nino Bulling. Das Dossier der Bundeszentrale über die Situation von Sinti und Roma in Europa umfasst 22 Illustrationen und kann online gelesen werden.
Sources
  1. Patrick Kraemer. Diplomarbeit: Lebenserzählungen von Angehörigen einer deutschen Minderheit: Eine Analyse narrativer biografischer Interviews mit Sinti und Roma. Hamburg: Diplomica Verlag, 2008. 
  2. Nicole Horn, Leidgib Ellen. Opre Roma! Erhebt Euch! Eine Einführung in die Geschichte und Situation der Roma. Auflage 1. Auflage. München: AG-SPAK-Bücher, 1994. 
  3. Michael Zimmerman. Verfolgt, vertrieben, vernichtet. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen Sinti und Roma. Essen: Klartext, 1989.
  4. Rassismus gegen Sinti und Roma. Zur Kontinuität der Zigeunerverfolgung innerhalb der deutschen Gesellschaft von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart. Frankfurt am Main: Peter Lang, 1994.
  5. Markus End. «Wer nicht arbeitet, soll nicht essen» Geschichte, Gegenwart und Kritik des Antiziganismus. arranca!. 2010. Date accessed: July 11, 2015.
  6. Jana Seppelt. 600 Jahre Roma und Sinti in Deutschland – die Geschichte einer Verfolgung. Themenseite Antiziganismus von ZAG – antirassistische Zeitschrift. Zeitschrift der Antirassistischen Initiative Berlin e.V., 2003. Date accessed: October 24, 2015.
Additional Resources
  1. Illustrationen von Paula Bulling für das Online-Dossier “Sinti und Roma in Europa” der Bundeszentrale für politische Bildung. Paula Bulling Webseite. 2014.
  2. Rom e.V. Köln. Vereinigung für die Verständigung von Rom und Nicht-Rom e. V.. Date accessed: July 11, 2015.
  3. Amaro Drom e.V. – Interkulturelle Jugendselbstorganisation von Roma und Nicht-Roma. Amaro Drom. Date accessed: July 11, 2015.