In der Gründungszeit des Kaiserreichs gab es immer mehr Menschen, die gegen Jüd*innen waren. Diese antisemitischen Menschen machten die Jüd*innen für viele Probleme verantwortlich. Es entstanden sogar antisemitische Parteien, die ins Parlament gewählt wurden. Viele Jüd*innen wehrten sich dagegen.
In den ersten Jahren nach der Gründung ging es der Wirtschaft gut. Doch 1873 kam eine große Wirtschaftskrise, die viele Menschen arbeitslos machte, besonders im Mittelstand und unter Arbeiter*innen. In dieser Zeit wuchs der Antisemitismus, da Jüd*innen für die Krise verantwortlich gemacht wurden. Politische Gruppen wie die „Berliner Bewegung“ nutzten diese Unzufriedenheit aus.
Bis Mitte der 1870er Jahre hatten viele Menschen eine starke Abneigung gegen Jüd*innen. 1880 schrieben der Lehrer Bernhard Förster und der Publizist Max Liebermann eine Petition, die forderte, dass Jüd*innen weniger Rechte haben sollten. Etwa 250.000 Menschen, darunter viele Akademiker und Studierende, unterschrieben diese Petition. Der Begriff „Antisemitismus“ wurde geprägt und bezeichnete die Feindschaft gegenüber Jüd*innen.
In den 1890er Jahren wurden die antisemitischen Parteien „Deutschsoziale Partei“ und „Antisemitische Volkspartei“ gegründet. Bei den Wahlen 1893 gewannen sie einige Sitze, verloren aber später wieder an Einfluss. Bei den Wahlen 1913 bezeichneten sie die Wahlen als „Judenwahlen“ und weigerten sich, das neue Parlament anzuerkennen.
Außerhalb des Parlaments organisierten sich völkisch-nationale Gruppen zur „Deutschvölkischen Partei“, die 1918 etwa 800.000 Mitglieder hatte.
Als Reaktion auf den wachsenden Hass gegen Jüd*innen wurde 1893 der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegründet. Viele traten bei, um für ihre Rechte und Gleichberechtigung zu kämpfen. Der Verein war während der Weimarer Republik und zu Beginn des Nationalsozialismus wichtig für die Interessen jüdischer Menschen, wurde aber 1938 verboten.