Nach der Machtübernahme von Adolf Hitler 1933 fliehen mehr als eine halbe Million Menschen, vor allem Jüd*innen, in Nachbarländer wie Frankreich, die Niederlande, die Schweiz und die Tschechoslowakei. Viele hoffen, nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft nach Deutschland zurückzukehren.
Doch als die Nazis auch diese Länder besetzen, fliehen viele weiter, zum Beispiel nach Lateinamerika, in die USA, nach Palästina oder in die Türkei. Die Einreise in diese Länder ist oft schwer, und viele werden in Lagern untergebracht. Vor der Flucht müssen viele Jüd*innen hohe Steuern zahlen, was sie arm macht.
Einige fliehen nach Shanghai, weil man dort kein Visum braucht. Ab 1938 kommen rund 20.000 Menschen nach Shanghai, wo sie in schlechten Bedingungen leben. Viele sehen Shanghai nur als Zwischenstopp auf dem Weg in andere Länder wie Brasilien oder die USA.
Zu den Geflüchteten gehören auch viele Künstler*innen und Oppositionelle wie die Schriftsteller*innen Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht und Anna Seghers, die sich im Exil gegen den Nationalsozialismus einsetzen. Der Philosoph Theodor Lessing wird in Tschechien ermordet, und die Schriftsteller Kurt Tucholsky und Stefan Zweig nehmen sich das Leben. Viele gehen auf Einladung des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk in die Türkei. Darunter sind der spätere Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter, der Architekt Bruno Taut und der Jurist Ernst E. Hirsch. In der Türkei gelten sie als „Haymatloz“, was „Heimatloser“ bedeutet. Nach dem Krieg kehren viele von ihnen nach Deutschland zurück.