Mit der Gründung der ersten deutschen Demokratie hoffen viele jüdische Menschen auf weniger Antisemitismus und mehr Rechte. Diese Hoffnung erfüllt sich jedoch nicht. Zu Beginn und am Ende der Weimarer Republik nimmt der Antisemitismus stark zu.
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg verbreiten Militärführer und rechte Gruppen die sogenannte Dolchstoß-Legende. Sie behaupten, Deutschland sei nicht im Krieg besiegt worden, sondern von Politiker*innen im eigenen Land verraten worden. Die Schuld wird dabei vor allem Sozialdemokrat*innen, Linken und jüdischen Menschen gegeben. Rechte Parteien wie DNVP und NSDAP nutzen diese Lüge, um Hass zu schüren. Jüd*innen werden als Schuldige für alle Probleme dargestellt und als gefährlich beschrieben. Es kommt zu vielen Angriffen auf jüdische Menschen und zu Morden an jüdischen Politiker*innen, zum Beispiel an Rosa Luxemburg (1919) und Walter Rathenau (1922).
Der Staat schützt jüdische Menschen oft nur unzureichend. Angriffe werden selten streng bestraft. Jüdische Organisationen kämpfen daher meist allein gegen den Antisemitismus. 1925 veröffentlicht Adolf Hitler sein Buch „Mein Kampf“, in dem er antisemitische und antikommunistische Ideen verbreitet und Jüd*innen für die Probleme der Republik verantwortlich macht.
Zunächst bleibt die NSDAP politisch erfolglos. Bei der Reichstagswahl 1928 bekommt sie nur 2,6 % der Stimmen. Deshalb setzt sie später stärker auf Themen wie Reparationszahlungen, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Der offene Antisemitismus zeigt sich vor allem in Gewalt auf der Straße. Die SA greift politische Gegner*innen und jüdische Menschen an. Ein besonders schlimmes Beispiel ist der „Kudamm-Krawall“ 1931 in Berlin, bei dem viele jüdische Menschen misshandelt werden.
Mit der schweren Wirtschafts- und Staatskrise wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Dadurch gewinnt die NSDAP ab 1930 immer mehr Stimmen, bis Hitler 1933 an die Macht kommt.