Die Politik des Kaiserreichs gegenüber den „Minderheiten“ im Land ist von Angst vor anderen Nationalismen geprägt. Besonders die polnische Bevölkerung wird als „Gefahr“ für den deutschen Nationalstaat gesehen.
Mit 2,4 Millionen Menschen macht sie 6 % der Gesamtbevölkerung aus. Um das polnische Nationalbewusstsein zu schwächen, sollen die Pol*innen durch Gesetze und Maßnahmen „germanisiert“ werden. Otto von Bismarck fördert diese Maßnahmen, die den polnischen Adel und Klerus angreifen, das Polnische aus Behörden und Schulen verbannen und die Versammlungsfreiheit einschränken. Polnischsprachige Menschen werden so zu Bürger*innen zweiter Klasse.
Als Reaktion gründen sie viele Vereine, um ihre Sprache und Kultur zu fördern. Ab Mitte der 1880er Jahre ändert sich die Politik gegenüber polnischen Saisonarbeiter*innen mit russischer Staatsangehörigkeit. 1885 ordnet Bismarck die Ausweisung von etwa 40.000 Pol*innen an, darunter viele Jüd*innen. Die Zuwanderung wird verboten. Nationalistische Gruppen warnen vor einer „Polonisierung“ und fordern ein Verbot. Erst 1890 wird das Zuwanderungsverbot aufgehoben und die Arbeitsmigration staatlich geregelt.
1886 erlässt Bismarck ein Gesetz, um polnischen Landbesitz aufzukaufen und deutsche Bauern anzusiedeln. Rund 120.000 Deutsche lassen sich in den preußischen Ostgebieten nieder. Diese Politik soll auch die Migration von Deutschen in die USA lenken. Insgesamt ist die Germanisierungspolitik ein Misserfolg und stärkt die polnische Nationalbewegung. Rassistische Argumente setzen sich in der Öffentlichkeit durch und führen zu steigendem Antislawismus, der im Ersten Weltkrieg und später von den Nationalsozialisten verstärkt wird.