Ende des 19. Jahrhunderts wird das Kaiserreich von einer Agrarwirtschaft zu einem Industriestaat. Viele Menschen ziehen vom Land in die Städte und suchen Arbeit, auch aus angrenzenden Ländern. Besonders das Ruhrgebiet und Berlin werden wichtige Industriezentren.
Viele Landarbeiterinnen aus Ostdeutschland, vor allem aus Preußen und Mecklenburg-Schwerin, wandern in den Westen. Sie werden „Sachsengänger“ oder „Ruhrpolen“ genannt. Die Sachsengänger sind Saisonarbeiter*innen in der Landwirtschaft, während die Ruhrpolen als Bergleute oder Arbeiter*innen in der Industrie arbeiten. Sie sprechen Polnisch, haben aber die deutsche Staatsangehörigkeit.
Diese Migration führt zu einem Arbeitskräftemangel in der preußischen Landwirtschaft, der „Leutenot“. Um diesen Mangel zu beheben, werben Gutsbesitzer Saisonarbeiter*innen aus von Russland und Österreich-Ungarn besetzten Gebieten an. Viele dieser Arbeiter*innen sind Frauen und arbeiten in der Landwirtschaft, oft unter schlechten Bedingungen und für niedrige Löhne.
Zunächst gab es keine staatliche Kontrolle über die Arbeitsmigration. Ab 1890 wird die Situation jedoch strenger reguliert, und sowohl „Inlands-“ als auch „Auslandspolen“ erleben Diskriminierung und Repressionen.