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Germany
1973
Anwerbestopp in der BRD

Im Januar 1973 beschloss die Bundesregierung, keine neuen Arbeitskräfte aus Ländern außerhalb der Europäischen Gemeinschaft mehr anzuwerben. Der Grund war die drohende Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die Ölkrise.

Zu dieser Zeit lebten etwa vier Millionen sogenannte „Gastarbeiter*innen“ und ihre Familien in Deutschland. Viele kehrten zwischen 1973 und 1975 in ihre Heimatländer zurück, etwa 500.000 Menschen. Nach dem Anwerbestopp konnten Menschen nur noch durch Familienzusammenführung oder Asyl nach Deutschland kommen. Gleichzeitig gab es in den Medien Berichte, die Migrant*innen als Bedrohung darstellten. Ein Beispiel ist ein Artikel des SPIEGELs aus dem Jahr 1973 mit dem Titel „Die Türken kommen, rette sich wer kann“. Während Migrant*innen oft als unerwünscht galten, wurde die Einreise für Aussiedler*innen aus sowjetischen Staaten erleichtert. Diese Menschen galten als „ethnisch“ näher an der deutschen Kultur und erhielten besondere Vorteile bei der Einwanderung. So wurde Deutschland trotz des Anwerbestopps zu einem Einwanderungsland, was die Politik eigentlich verhindern wollte.
Während schon vor dem Beginn der Anwerbeverträge durchaus auch viele Frauen nach Deutschland eingewandert waren, waren es in erster Linie migrantische Männer, die in den deutschen Medien als symbolische Repräsentanten für das System der Gastarbeit herhalten mussten. Hierbei taten sich die deutschen Medien durch eine beständige Infantilisierung und Exotisierung der männlichen Gastarbeiter hervor.
- Dominguez Andersen
Aus: Ahmet Gündüz. Migration, Männlichkeit und die diasporischen Ursprünge von HipHop in Deutschland und Europa
Sources
  1. Gräf, Beate (2008): Migranten in der öffentlichen Wahrnehmung. Dissertation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
  2. Svetlana Kiel. Wie deutsch sind Russlanddeutsche?. Münster: Waxmann Verlag.
  3. Birgit zur Nieden. „…und deutsch ist wichtig für die Sicherheit!“ Eine kleine Genealogie des Spracherwerbs Deutsch in der BRD. In: o integration?! Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Integraionsdebatte in Europa. Bielefeld: Transcript Verlag.
Additional Resources
  1. Der Spiegel (1973): Die Türken kommen – rette sich, wer kann.
  2. Bundeszentrale für politische Bildung. Anwerbestopp. Aufgerufen am: Dez 27, 2021.
  3. Ahmet Gündüz. Migration, Männlichkeit und die diasporischen Ursprünge von HipHop in Deutschland und Europa. Themenportal Europäische Geschichte). 2015. Aufgerufen am: Dezember 27, 2021.
  4. Außenklos im Wunderland Almanya – TAZ Serie “Orte der Migration”. taz). 07/09/2011. Aufgerufen am: Dezember 27, 2021.