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Germany
1950
Besatzungskinder

Nach dem Ende der Besatzung kehren viele Soldaten alleine in ihre Heimatländer zurück. Das sieht so aus, als ob sie sich nicht um ihre Kinder und die Frauen* kümmern, mit denen sie diese Kinder gezeugt haben. Aber viele Soldaten konnten ihre Familie nicht mit in die USA nehmen. Sie mussten bei der US-Armee um Erlaubnis bitten, eine deutsche Frau* zu heiraten, aber diese Anträge wurden fast immer abgelehnt, weil in den USA damals keine Ehen zwischen Schwarzen und Weißen erlaubt waren. Deshalb mussten die Väter allein zurückkehren. Das Schicksal dieser Kinder wird auf beiden Seiten des Atlantiks diskutiert. Die Kinder, die in den USA als „brown babies“ bekannt wurden, wurden in Deutschland als fremd und nicht zugehörig angesehen. Auch sie erlebten Rassismus und wurden oft abwertend bezeichnet. In der BRD war die Gesellschaft noch sehr von rassistischen Vorstellungen geprägt und bestimmte Zugehörigkeit nach „Rassen“-Kriterien. Wegen der Diskriminierung gründete die afro-amerikanische Journalistin Mabel A. Grammer ein Adoptionsprogramm, das als „brownbaby plan“ bekannt wurde. In diesem Plan wurden die Kinder von afro-amerikanischen Familien in den USA adoptiert, obwohl diese Familien vorher keine Adoptionsrechte hatten. Doch auch in den USA erlebten die Kinder weiterhin Rassismus. Viele dieser adoptierten Kinder fühlten sich fremd und wollten mehr über ihre Herkunft erfahren. Einige Mütter, die ihre Kinder behielten, wurden alleinerziehend und zogen oft wieder zu ihren Eltern, um zu arbeiten, während die Großeltern sich um das Kind kümmerten. In vielen Fällen gab es keine Diskriminierung durch die Großeltern, weil diese Mütter oft dazu ermutigt wurden, Beziehungen mit Soldaten einzugehen, um Zugang zu Lebensmitteln und Gütern zu bekommen, die im Krieg schwer zu bekommen waren. Es gibt inzwischen viele Bücher und Geschichten von ehemaligen Besatzungskindern, zum Beispiel von Thomas Usleber und Ika Hügel Marshall.
Wenn Schwester Hildegard mit dem Knüppel in der Hand auf mich losgeht und zu mir sagt: "In Wirklichkeit schlage ich nicht dich, sondern die Teufel, die in dir stecken", dann will sie sich nicht mit meinem Schmerz auseinandersetzen, mir erst gar keine Hoffnungen machen, daß ich auch stark und mutig sein könnte. Da alles Lernen in der Kindheit seinen Anfang nimmt, erhalte ich hier Wertvorstellungen über mich, die mein Denken und Handeln bestimmen. Ich lerne, daß eine Lüge dann zur Wahrheit wird, wenn jemand an sie glauben will. Weiße lehren mich, ihnen zu mißtrauen.
- Ika Hügel-Marshall
Hügel-Marshall, Ika: Daheim unterwegs: ein deutsches Leben. Orlanda Frauenverlag, 1998
Sources
  1. Yara-Colette Lemke Muniz de Faria. Zwischen Fürsorge und Ausgrenzung. Afrodeutsche ‚Besatzungskinder’ im Nachkriegsdeutschland. Berlin: Black German Cultural Society, 2002.
  2. Stephanie Siek. Germany’s ‘Brown Babies’: The Difficult Identities of Post-War Black Children of GIs. Der Spiegel. October 13, 2009. Date accessed: September 10, 2015.
  3. Yara-Colette Lemke Muniz de Faria. Reflections on the ‘Brown Babies’ in Germany: the Black Press and the NAACP. Digital archive: The Civil Rights Struggle, African-American GIs and Germany. Date accessed: September 10, 2015.
Additional Resources
  1. “Brown babies”: The Mischlingskinder Story. Interview with Doris McMillon and Regina Griffin. HLN. 22/02/2012. Date accessed: September 10, 2015.
  2. Film extract: Toxi (BRD, Robert Stemmle)
. Youtube. 1952. Date accessed: September 10, 2015.
  3. Documentary: Brown Babies – Deutschlands verlorene Kinder. planet schule. WDR, 2011. Date accessed: September 10, 2015.
  4. SearchingForYou International Tracing Services and Genealogy. Searching For You. Date accessed: September 10, 2015.